Als Reaktion auf den Text zum Thema Studiengebühren auf Seite 6 der heute erscheinenden Ausgabeder Studentenzeitung “Ottfried” möchte das Bildungsplenum selbst das Wort ergreifen und ihre Sicht der Situation schildern – die Situation ist zu ernst, als dass wir sie verspielen könnten…
Wir zahlen nicht für eure Krise!
Panikmache statt Aufklärung: Studierende sollen nun für die Misswirtschaft der Universität bezahlen.
Die heutige Ausgabe des Ottfrieds (02/2010) liefert wieder einmal mehr ein Paradebeispiel für die verhöhnende Rhetorik der Universitätsleitung und zahlreicher Professoren, die sich auch jetzt – nachdem die Misswirtschaft der Fakultäten deutlich ans Licht tritt – offenbar aus der Verantwortung stehlen und anderen eine prekäre Finanzierungssituation zumuten, der sie sich selbst entziehen:
Anstatt die Mittelverwendung kritisch zu hinterfragen, werden Lehrveranstaltungen gestrichen und Personal entlassen. Dass einige der Stellen dabei gar nicht aus Studiengebühren hätten finanziert werden dürfen, wird geflissentlich verschwiegen. Dabei gibt das bayerische Hochschulgesetz ganz klar vor, dass die Gebühren nicht zur Finanzierung des Regelbetriebes eingesetzt werden dürfen. (Art 71, Bayer. HSchG)
Einer der Hauptgründe für die Abschaffung der Studiengebühren ist der Wunsch, den davon ausgehenden Ausschluss sozialer Gruppen zu mindern. Davon ist die Universitätsleitung mittlerweile weit entfernt: Nicht soziale Ziele sind Grundlage der Argumentation, sondern buchhalterische Sachzwänge aus selbstverschuldeter Misswirtschaft.
Wir behaupten nicht, die bessere Verwaltung stellen zu können. Dass die Universitätsleitung dies jedoch auch nicht kann, zeigt die gegenwärtige Situation. Klar ist: Die Studiengebühren zum Wintersemester 2010/11 wieder anzuheben, wie Vizepräsident Sebastian Kempgen im aktuellen Ottfried durch die Blume ankündigt, ist keine Lösung für das Problem!
Im Gegenteil muss die Senkung der Studiengebühren bis zur völligen Abschaffung weiter konsequent vorangetrieben werden. Freie Bildung ist ein Menschenrecht! Es muss Aufgabe des Staates sein, allen Bürger_innen freien Zugang zu demokratischen Bildungsstätten zu garantieren.
Diesen Prozess kritisch zu begleiten, hat sich das das Bildungsplenum „U7“ zur Aufgabe gemacht. Um ihr Ideal der freien Bildung in die öffentliche Diskussion zu bringen und deren Umsetzung zu fördern, greift das Bildungsplenum auf universitären und außeruniversitären Aktionsformen zurück und schließt Kooperationen mit verschiedensten Plattformen. Freie Bildung, die die Persönlichkeitsentwicklung zu selbstbestimmten Menschen garantiert und das kritische Denken fördert, statt nur eine Steigerung des wirtschaftlichen Marktwertes im Blick zu haben, kann nur in einer Universität demokratischer Partizipation und kritischer Forschung stattfinden.
Im eigenen Interesse sollten sich für dieses Ziel alle Mitglieder_innen der Universität nachdrücklich einsetzten.